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Pflege: Die meisten Menschen wollen zu Hause sein?

Alleine in Niederösterreich sind derzeit rund 24.000 Personenbetreuerinnen und rund 180 Vermittlungsagenturen tätig. Es herrscht also enormer Bedarf an Modellen zur Betreuung Hilfsbedürftiger. Pflege-Experte Reinhard Rodlauer im Gespräch mit Robert Pozdena, neuer Obmann der Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung der NÖ Wirtschaftskammer.

Herr Pozdena, in Niederösterreich arbeiten ja die meisten PersonenbetreuerInnen in Österreich, aber auch viele Agenturen zur Vermittlung von geschulten Fachkräften. Wie sehen Sie die aktuelle Situation grundsätzlich?

Meine Aufgabe ist es, die Interessen beider Berufsgruppen zu wahren. Aber ob selbstständige Personenbetreuungskraft oder Vermittlungsagentur: Im Fokus müssen zuletzt immer die zu betreuende Person und deren Angehörige stehen.

Alle Experten und auch die selbst betroffenen Personen, mit denen ich in den letzten Monaten gesprochen habe, bezeichnen die "24-Stunden-Betreuung" als absolutes Erfolgsmodell, das schon seit Jahren optimal funktioniert. Dennoch kommt diese Form der Hilfe für ältere Menschen leider in regelmäßigen Abständen in die Kritik. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Diese Branche gibt es seit knapp 10 Jahren und musste sich somit erst entwickeln. Dabei haben sich bedauerlicherweise auch einige ,Glücksritter‘ versucht. Und zwar ohne Qualitätsansprüche und ohne transparente Vertragsgestaltung. Das führte dazu, dass sowohl seriöse und gut arbeitende Vermittlungsagenturen als auch ehrliche und fleißige PersonenbetreuerInnen in ein schiefes Licht gerieten! Ohne den unermüdlichen Einsatz beider - BetreuerInnen ebenso wie die seriösen Agenturen - würden wir in Österreich einem massiven Problem in der Betreuung älterer Menschen gegenüberstehen! Es ist mir wichtig festzuhalten, dass wir jede Kritik ernst nehmen und dieser auch nachgehen. Aber die überwältigende Anzahl der Rückmeldungen von zu betreuenden Personen bzw. deren Angehörigen ist sehr positiv!

Sie sprechen Qualität der Betreuung und Transparenz an. Durch welche Maßnahmen haben Sie vor, hier Verbesserungen zu erreichen?

Bereits vor meiner Nominierung zum Obmann habe ich gemeinsam mit vielen Kollegen aus der Branche an einem Qualitätszertifikat für Vermittlungsagenturen und einer qualifizierten Fort- und Weiterbildung für die PersonenbetreuerInnen gearbeitet. Dieses Projekt haben wir in den letzten Monaten weiterentwickelt und stehen unmittelbar vor der Präsentation. Hauptsächlich geht es darum, die Qualität in beiden Bereichen weiter anzuheben und eine noch bessere Dienstleistung anbieten zu können.

Da haben Sie sich ja einiges vorgenommen! Welcher Zeitrahmen schwebt Ihnen für die Realisierung vor?

Wir sind schon sehr weit und werden das Zertifizierungsmodell für Vermittlungsagenturen bereits jetzt im Herbst vorstellen. Ab Jänner 2018 können sich interessierte Agenturen zur Überprüfung anmelden und erhalten bei positiver Bewertung ein Gütesiegel. Ebenso werden wir ab Jänner 2018 eine neue Weiterbildungsakademie für PersonenbetreuerInnen der Wirtschaftskammer präsentieren, um allen BetreuerInnen eine qualifizierte und nachhaltige Fortbildung anbieten zu können.

In den Medien werden immer wieder die Agenturen kritisiert. Tenor: Wozu braucht man sie überhaupt? Wie stehen Sie zu dieser Kritik?

Wie in jeder Branche gibt es auch bei uns einige wenige schwarze Schafe. Aber entgegen der negativen Ansichten arbeiten mehr als 90% der Vermittlungsagenturen nicht nur sehr seriös, sondern machen einen wirklich guten Job! Die Agenturen sind schließlich ein sehr wichtiges Bindeglied zwischen zu betreuender Person und BetreuerIn. Schon bei der Vorauswahl der BetreuerInnen, beim Thema sicherer und termingerechter An- und Abreise der Betreuungskräfte und im Fall von Problemen während der Betreuung ist die Vermittlungsagentur ein wertvoller Ansprechpartner für alle Beteiligten. Also natürlich auch für Angehörige. Ebenso bei einem plötzlichen Ausfall der BetreuerIn - etwa durch eigene Krankheit - ist eine Agentur ein wichtiger Partner, um rasch geeigneten Ersatz zu organisieren.

Viele Menschen beteuern ausdrücklich, sie würden am liebsten zu Hause bleiben. Egal, ob nun der Pflegeregress abgeschafft wurde oder nicht. Viele können sich aber die 24-Stunden-Betreuung einfach nicht leisten! Unterstützen Sie hier eine Erhöhung der Förderung für dieses Modell?

Eines unserer wesentlichen Anliegen ist endlich eine Evaluierung der 24-Stunden-Förderung durch das Sozialministerium! Die Förderung wurde seit 2008 nicht mehr angepasst, wiewohl wir alle wissen, dass die Kosten für die Betreuung für die Angehörigen bzw. den Patienten in den letzten 9 Jahren erheblich gestiegen sind. In Gesprächen mit den zuständigen Ministern habe ich in den letzten Wochen und Monaten versucht, nicht nur Verständnis dafür zu schaffen, sondern gezielt auf die dringend notwendige Erhöhung hingewiesen.

Abschließend noch folgende Frage: Was macht die 24-Stunden-Betreuung für so viele Menschen nicht nur in Niederösterreich, sondern im ganzen Bundesgebiet sowie bereits auch in Deutschland so begehrt?

Abschließend noch folgende Frage: Was macht die 24-Stunden-Betreuung für so viele Menschen nicht nur in Niederösterreich, sondern im ganzen Bundesgebiet sowie bereits auch in Deutschland so begehrt?

Reinhard Rodlauer*, Kronen Zeitung, (http://www.krone.at/589827)

24-Stunden-Pflege: Qualität wird teurer
Pensionistenverband-Chef Karl Blecha hält Förderung für "völlig unzureichend"

(01. MAI 2017)

Was wäre Ihnen eine Person wert, die jeden Tag rund um die Uhr bei Ihnen zu Hause ist, für Sie kocht, putzt und wäscht? Eine, die sich mit Ihnen unterhält, die Sie pflegt, wenn Sie krank sind? Partner und Familie wären für diese Hilfe Goldes wert, denn für eine 24-Stunden-Betreuerin aus Osteuropa legt man zwischen 1000 und 3000 Euro monatlich hin.

Die Unterschiede sind enorm: Von einer Betreuerin, die kaum Deutsch spricht und gerade einmal ein Pflaster auf Wunden kleben kann, bis zu einer Diplomkrankenschwester mit perfekten Sprachkenntnissen bieten Internetplattformen die gesamte Bandbreite an. Vermittelt werden die meist selbstständigen Arbeitskräfte über Agenturen.

Diese Agenturen haben die Grünen jüngst ins Visier genommen: Sozialsprecherin Judith Schwentner forderte eine Art "Qualitätssiegel", um Ausbeutung und Missständen in der Heimpflege vorzubeugen. 2015 haben knapp 22.000 Menschen in Österreich die Rund-um-die-Uhr-Betreuung vom Sozialamt gefördert bekommen, der Bedarf steigt jährlich um geschätzte neun Prozent.

Akademie statt Crashkurs

Die Kontrolle der Heimpflege obliegt dem Sozialamt. An der Verbesserung des Angebots arbeitet die Wirtschaftskammer als Interessensvertretung für Personenbetreuer.

Erst im Sommer wurden in den Herkunftsländern Rumänien, Bulgarien und der Slowakei Akademien gegründet. Dort wird zweisprachig unterrichtet, Deutschkenntnisse sind also Pflicht. Auf dem Kursplan stehen Bewegungs- und Ernährungslehre, Konfliktmanagement, der Umgang mit Demenzkranken und unternehmerische Grundlagen. "Die Akademie soll bald in den Regelbetrieb gehen, wir haben schon jetzt eine Warteliste", sagt Fachgruppenobmann Harald Janisch zum KURIER. Finanziert wird die Ausbildung von den Wirtschaftskammern Wien und Niederösterreich. Ziel der Wirtschaftsbund-Funktionäre ist es, Unterstützer für dieses Modell in allen Bundesländern zu finden.

Die zertifizierte Ausbildung ist vorerst nur ein Wettbewerbsvorteil. Dem Sozialamt reicht für die Bewilligung einer Förderung schon ein einmonatiger Pflege-Crashkurs im Heimatland. Laut Janisch drängen auch aus Nicht-EU-Ländern Arbeitskräfte auf den Markt – etwa aus Moldawien: "Das sind meist Unqualifizierte, die zu Dumping-Preisen arbeiten."

Pflegegeld-Valorisierung ins Gesetz

Qualität kostet Geld. Für ein mittleres Niveau, das flächendeckend zum Standard werden soll, müssten "mindestens 80 Euro Tageshonorar brutto" drin sein, sagt Bibiána Kudziová, Berufsgruppensprecherin und Ombudsfrau bei der Wirtschaftskammer. Für Menschen mit kleiner Pension dürfte das kaum leistbar sein.

Die Förderprämien wurden seit zehn Jahren, als die 24-Stunden-Betreuung gesetzlich verankert wurde, nicht erhöht. Für eine selbstständige Kraft zahlt der Staat 550 Euro dazu, für eine Angestellte 1100 Euro. Wenn man das Niveau allgemein anheben will, müsse man die Förderungen verdoppeln, schlägt Kudziová, die selbst als Betreuerin arbeitet, vor.

Karl Blecha, Präsident des Pensionistenverbandes (SPÖ), hält die Förderung für diese Pflegeform schon jetzt für "völlig unzureichend". Er pocht darauf, dass nicht nur die Prämie erhöht, sondern auch das Pflegegeld jährlich valorisiert werden muss. Auf eine Summe legt er sich nicht fest, er betont aber: "Das muss im Gesetz fixiert werden, weil Pflege und Betreuung in Zukunft in jeder Familie ein vorrangiges Thema sein werden."

SPÖ-Sozialminister Alois Stöger hat nach der Grünen-Kritik in Aussicht gestellt, das derzeitige Modell überarbeiten zu lassen, wenn im Sommer der Rechnungshof-Bericht zum Stand der 24-Stunden-Betreuung vorliegt.

Fachgruppenobmann Janisch will schon im Mai ein Projekt vorstellen und dann mit der Politik in die Verhandlungen gehen. Den Vorstoß der Grünen begrüßt er: "Ich lade alle Parteien im Parlament ein, mit uns für eine Erhöhung der Förderung einzutreten."

Bund und Länder haben die 24-Stunden-Betreuung im Vorjahr mit insgesamt 138,6 Millionen Euro gefördert.

(https://kurier.at/politik/inland/24-stunden-pflege-qualitaet-wird-teurer/258.540.390)

Ärzte fordern jetzt Parkpickerl
Ärzte bekommen kein Parkpickerl vor ihrer Ordination. Die Ärztekammer übt Kritik.

(13. Juni 2013)

Ärzte, die ihre Ordination in einem anderen Bezirk als ihre Wohnung haben, bekommen kein Parkpickerl – im Gegensatz zu Gewerbebetrieben. Jetzt macht die Ärztekammer für ein Ordinationspickerl mobil. „Wir brauchen das Fahrzeug immer vor der Tür der Ordination, damit wir Hausbesuche machen können“, erklärt Eva Raunig, Vizepräsidentin der Wiener Ärztekammer.

Hausbesuche
Das „Arzt im Dienst“-Schild gelte nur für die Visiten selbst, nicht aber für das vor der Ordination geparkte Auto. „Hausärzte sind verpflichtet, Hausbesuche zu machen. Viele machen rund 200 Visiten in drei Monaten“, sagt Raunig. Von der Politik kommt eine Absage. „Es wird im Moment nicht daran gedacht“, sagt ein Pressesprecher von Finanzstadträtin Renate Brauner.

(http://www.österreich.at/nachrichten/Aerzte-fordern-jetzt-Parkpickerl/107116670)

Kommunalkredit unterstützt Gemeinden
September 2011

Initiativen für die Pflege
3,9 Milliarden Euro - so viel wird derzeit jährlich im Pflegebereich in Österreich angewendet. Bis 2050 werden sich diese Kosten mindestens verdoppeln, stellte die OECD fest.
Um mit dieser Situation umgehen zu können, unterstützt die Kommunalkredit Gemeinden und Länder mit der „Initiative Pflege“. „Wir bieten Know-how und kompetente Beratung. Wir kennen die Situation auf dem Markt und bieten Finanzierungsmodelle an, welche die jeweiligen Fördermöglichkeiten berücksichtigen“, sagt Christian Kummert, Vertriebsleiter der Kommunalkredit. Dass schon bis 2020 mit zusätzlichen Kosten von rund einer Milliarde Euro zu rechnen ist, sei „für Städte und Gemeinden besonders kritisch, weil Geldleistungen - insbesondere das Pflegegeld – zwar vornehmlich vom Bund, die deutlich stärker steigenden Sachleistungen - insbesondere die Sozialhilfe - jedoch von den Ländern und Gemeinden finanziert werden.“

Public-Private-Partnership-Modelle Die Kommunalkredit bietet Alternativen zur konventionellen Infrastrukturbeschaffung. Bereits mehrfach hat man, etwa bei den Pflegeheimen Neudörfl, Oberpullendorf und Rechnitz sowie beim Diakonissenkrankenhaus Schladming und beim LKH Steyr, bewiesen, wie Public-Private-Partnership-Programme im Gesundheits- und Pflegebereich erfolgreich sei können. Dabei haben private Unternehmen nach Vorgabe der öffentlichen Hand als Auftraggeber die Verantwortung für Planung, Errichtung und Betrieb, die Bank finanziert, und die öffentliche (1 db "n" bet?t töröltem) Hand kann das Projekt zum Beispiel mit Förderungen oder Stellung von Sicherheiten weiter unterstützen. Ziel ist es, die Finanzierung nicht nur auf das öffentliche Budget zu beschränken, sondern, die Finanzierungsbasis zu verbreitern. In den letzten 10 Jahren wurden in Europa Infrastrukturinvestitionen von über 200 Milliarden Euro über Public-Private-Partnership-Projekte erfolgreich umgesetzt.

Entlastung der öffentlichen Hand
Die Kommunalkredit hat viel Erfahrung in der Strukturierung von Finanzierungslösungen für die unterschiedlichen Beschaffungsmodellen von der Kommunalfinanzierung über Forderungskäufe bis hin zu Projektfinanzierungen.

Interessante Alternativlösungen
Gerade in einer Zeit, in der demografische Entwicklung ganz klar darauf hinweist, dass große Investitionen in Pflegeeinrichtungen raschest erledigt werden sollen, und andererseits die öffentliche Hand durch Einnahmenrückgänge und Ausgabenerhöhungen unter Druck steht, stellt die Kooperation mit privaten Entwicklern und Betreibern eine interessante Alternative zur konventionellen Beschaffung dar.

„Initiative Pfege“
Österreich wird älter
Jede/r fünfte Österreicherin ist derzeit über 65 Jahre alt (17%). Bis 2050 werden bereits 28% der österreichischen Bevölkerung älter als 65 Jahre sein, so die Statistik Austria. Die Altersgruppe der über 80-Jährigen, für die ein Großteil der Pflegeleistungen anfällt, wird dann sogar bei 11,5% (derzeit 4,8%) liegen. Insbesondere strukturschwache ländliche Gemeinden weisen einen überdurchschnittlich hohen Anteil an über 65-Jährigen auf. Das bedeutet, dass der zukünftige Bedarf an Pflegelösungen dort besonders hoch ist.

 



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